Mütter müssen peinlich sein

Als Mutter zweier Töchter kann ich heute sagen, ich habe die Pubertät fast unbeschadet überlebt. Und ich spreche hier nicht von meiner Pubertät, meiner Mutter geht es ganz gut. Ich weiß auch, dass mir meine Eltern bzw. meine Mutter extrem peinlich war, aber wenn es dich dann selber trifft, ist das nicht so spannend. Es gäbe ja viele Anekdoten, die ich hier zum Besten geben könnte, aber an das letzte Mal, wo das peinlich Sein angesprochen wurde, erinnere ich mich gerne.

Meine ältere Tochter wollte unbedingt mit ihrem Freund auf ein Konzert nach Wiesen. Ich glaube, es war das „Two days a week“. Die ganze Festivalsaison hatte ich mit einer Freundin die Weinbar in Wiesen betrieben und so waren wir auch das besagte Wochenende wieder im Einsatz. Jetzt melde das Kind an, sie will mit ihrem Schatzi mit, den ganzen Tag ist sie schon um mich herumgeschwänzelt, man hat überhaupt nicht gemerkt, dass sie etwas will. Wenn die eigenen Kinder glauben, dass du vollkommen blöde bist, ist das nicht so prickelnd. Also was soll ich mit den beiden tun.

Nach kurzer Rücksprache entscheide ich mich, dass ich die Jugend mitnehme. Gleich bei der Ankunft am Festivalgelände erlebe ich die erste Überraschung. Beide wollen gleich aussteigen, ich soll ihnen nur sagen, wo sie hinmüssen. Hallo, geht es noch. Ich schaue meine Freundin an und schüttle den Kopf, sie lacht und sagt nur, ich soll das nicht so ernst nehmen. Wir sind halt die Alten, ich will es aber genau wissen und frage was das soll. Da erklärt mir doch mein eigen Fleisch und Blut, dass sie sich mit mir nicht gleichzeitig sehen lassen kann. Ich bin uncool. Ja, dass habe ich jetzt gebraucht. Knappe 35 Jahre alt, uncool und alt.

Den ganzen Abend hindurch wurmt mich die Sache ungemein, als mein liebes Töchterchen der Hunger packt, steht sie doch glatt bei meinem Arbeitsplatz, wenn man „Kröten“ braucht, geht man wieder zur Mama. Der Abend verläuft gut und meine Freundin und ich beschließen, wie jedes Mal am Ende unserer Schicht noch unsere Kollegen im Back Stage Bereich zu besuchen. Wir erledigen die abschließenden Arbeiten in der Weinbar und machen uns auf den Weg.

Vor der großen Bühne spielt sich nur mehr wenig ab, es spielt zwar noch eine Band, aber die Reihen haben sich gelichtet. Meine Tochter und ihr Freund befinden sich auch vor der Bühne. Als wir die zwei erblicken, gehen wir ihnen sicherheitshalber aus dem Weg. Aber siehe da, sie kommen beide zu uns her. Es würde ihnen jetzt passen, wenn wir nach Hause fahren. Leider haben sie da jetzt Pech, wir gehen wie jedes Mal noch in die Back Stage Bar. Als mein Mädchen das hört, ist sie auf einmal ganz Feuer und Flamme. Sie möchte gerne mit uns hineingehen. Nun, was soll ich sagen, Rache ist süß. Ich erkläre meinem Kind und ihrem Freund, dass wir sie doch unmöglich vor den coolen Bands bloßstellen wollen und deshalb müssen sie leider draußen bleiben. Wir werden dann schon wieder herauskommen, es muss ihnen nicht peinlich sein, wenn sie draußen vor der Bühne bleiben sollen. Der Mund steht beiden offen, aber wir haben kein Mitleid.

In der Back Stage Bar stehe ich jetzt mit meiner Freundin und trinke gemütlich mein Abschlussgetränk. Nach ca. 20 Minuten habe ich Erbarmen mit den Beiden und hole sie in den Back Stage Bereich, dort sitzen sie dann mit einer Band und weil ich nicht nachtragend bin, lade ich sie auch zum Trinken ein. Als wir nach Hause fahren, sehe ich im Rückspiegel meine Tochter an, sie wirkt sehr nachdenklich.

Ich war ihr sicher noch viele Male danach peinlich, aber so unverblümt wie da, hat sie mir das nie mehr gesagt.

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